Der äußere und der innere Krieg

Der äußere und der innere Krieg

  1. Zum äußeren Krieg (mit wem auch immer):
    Es ist gut und wichtig, sich gegen Übergriffigkeiten aller Art zur Wehr zu setzen. Dieses Nein/halt/so nicht/ … ist ein Ja zu mir selbst. Es ist ein Ja zur Wahrung meiner Grenzen.
    In meinem eigenen Leben bin ich oft vor diesem Nein zum Anderen davongelaufen, wollte nur Harmonie, nur nicht anecken, es immer den Anderen Recht machen. Ich habe mich kräftemäßig nicht in der Lage gefühlt, stehen zu bleiben und Nein zu sagen. Aber das Leben lässt eh keine Gelegenheit aus und ist unendlich geduldig, mir diese Übungsaufgabe wieder und wieder zu präsentieren, bis ich meine Hausaufgaben gemacht habe.
    Dazu kommt noch etwas: Immer „ja und amen“ sagen setzt dem Gegenüber keine Grenzen und hinterlässt das Gegenüber sogar in einem Zustand der Unsicherheit und der Hilflosigkeit was in all dieser Not zu Aggressionen führen kann. Dieses nicht in der Lage sein, die eigenen Grenzen zu wahren, bringt eine Art Verantwortungslosigkeit mit sich. Wie ich für mich selbst nicht einstehe, stehe ich auch nicht für die Beziehung zu einem Gegenüber ein und lasse dies alleine.
    Auf dieser äußeren Ebene ist es also gut, sich, den eigenen Körper, die eigenen Grenzen, die Lieben, ….. zu verteidigen. „Nein“ sagen ist in diesem Fall sogar ein Akt der Liebe und ein Zeichen dafür, dass ich nicht aus der Verbindung herausgehe, sondern vor dir stehen bleibe. Notfalls mit Hilfe der Polizei, eines Anwalts, oder mit Sanktionen, …..

  2. Das andere ist der innere Krieg. Wer kennt das nicht tagtäglich. Es ist jener Krieg mit den Dingen, den Menschen, den Situationen, der da sagt:

– Das sollte so nicht sein
– Er hätte das nicht sagen sollen
– Sie hätte mich nicht verlassen dürfen
– Ich weiß was hier das Beste ist
– Das ist ungerecht
– Das kann ich mir nicht gefallen lassen
– So geht das nicht

Wenn wir davon überzeugt sind und dies mit Unmengen von „Beweisen“ hochfahren, die uns bestätigen sollen, wie sehr wir im Recht sind, ist da nur Kampf innen drinnen. Es ist der Widerstand gegen das Leben, gegen die Dinge, die da eben so sind, wie sie sind.

Byron Katie sagt dazu: „Defence is the first act of war“.
Die inneren Verteidigungsmechanismen, Monologe, Argumentationen, Widerstände, dieses permanente gegen irgendetwas sein kostet viel Energie und raubt Lebenskraft.

Mich lassen auch die Dinge nicht kalt, die da gerade in der Ukraine passieren. Und dennoch ist viel Frieden in mir. Mir kommt vor, es ist die Ernte eines meditativen, stillen Lebens (meist alleine) und The Work of Byron Katie. Für all das bin ich dankbar.

Und wenn mich was triggert, nehme ich mir die Zeit, dem näherzukommen. Die beste Zeit dafür ist für mich der Morgen. Wenn ich wach werde am Morgen und die ersten Bilder dieser „Realität“ in mir auftauchen, horche ich in mich hinein:

  • Was regt mich so auf? Was genau ist es, was mir grad so weh tut? Womit stehe ich auf Kriegsfuß?
  • Worin liegt der Vorteil für mich an dieser Aufregung? Was liebe ich so sehr daran, an diesem Gedanken festzuhalten? (das Interesse am Film, an der Geschichte, an der Vorstellung)
  • Wie reagiere ich, wenn ich diesen Gedanken glaube?

Über so manche innere Not, aber auch so manche Erkenntnisse kommen mir die Tränen. Was hab ich schon geweint in meinem Leben! Aber all das da sein lassen, die Schmerzen spüren ohne sie zu fokusieren und ohne sie aufzubauschen, Allem erlauben da zu sein so lange, bis es sich von selbst wieder auflöst  –  sich erlauben, an diesem „Film“ völlig uninteressiert zu sein – das ist die eigentliche Heilung der Dinge (falls es so was überhaupt braucht).

Damit wachse ich wie von selbst in die Beantwortung der vierten Frage von „The Work“: Wer wärst du ohne den Gedanken? Und ein tiefer Friede macht sich breit in mir. An Stelle der Tränen tritt dann das Einverständnis mit den Gegebenheiten, wie sie eben sind.

„Stell dir vor es ist Krieg und keiner geht hin“ (Carl Sandburg)

Nicht hingehen zu den inneren Kriegsschauplätzen, das Aufrüsten mit Beweisführung und Argumenten beenden, die Aufgeregtheiten nicht füttern, das Interesse an all den stressvollen Gedanken einfach nicht mehr bedienen – nein danke!

  • Die Gedanken an nichts festmachen
  • sie kommen und gehen lassen
  • Keinerlei Geschichten aufbauschen in dir
  • Die Berichterstattung in deinem inneren Medium schweigen lassen

Die Dinge werden zwar gesehen, aber du lässt sie vorüberziehen ohne an ihnen festzuhalten, ohne sie auszuschmücken. Danke, dass du (lieber Gedanke) dein Leben mit mir geteilt hast – und Nein!

Das Leben würde einfach weitergehen ohne irgendwelche Aufgeregtheiten:

  • Geschirr abwaschen
  • Obstbäume schneiden
  • Müll hinaustragen
  • ….

Defense is the first act of war. If you tell me that I’m mean, rejecting, hard, unkind, or unfair, I say, “Thank you, sweetheart, I can find all these in my life, I have been everything you say, and more. Together we can help me understand. Without you, how can I know the places in me that are unkind and invisible? So, sweetheart, look into my eyes and tell me again. I want you to give me everything.” (Byron Katie)

Wärme und Liebe euch Allen